4. Der wöchentliche Rhythmus
Es dauerte nicht lange, bis mein Leben in Jülich einen bestimmten Rhythmus bekam.
Während der Woche stand ich um halb sieben auf, sodass ich kurz vor acht im Forschungszentrum
ankam. Manchmal fuhr Anja Fahrrad mit mir, aber meistens trafen wir uns erst im Kaffeezimmer, oder
irgendwo anders im Forschungszentrum. Fast immer arbeiteten wir für etwa 1 Stunde vor
dem Frühstück; dann aßen wir zusammen Müsli, tranken schwarzen Tee, und Kaffee.
Diese Mahlzeit diente auch unseren Besprechungen, wo alle ihre Fragen stellen konnten. Danach gab
mir Anja die Anleitungen für den Tag oder die Woche—was ich im Labor machen sollte.
Die Wissenschaft war etwas, was wir gemeinsam hatten—was ich wunderbar und interessant fand.
Obwohl unser Studium auf verschiedenen Kontinenten stattgefunden hatte, war ich glücklich
überrascht, wie nützlich alles war, was ich in Morris gelernt hatte. Ich musste neue
Ausdrücke lernen, aber fast alle Konzepte kannte ich schon, oder ich hatte sie wenigstens
früher schon gesehen. Die Arbeit in einem aktiven Labor ist ein bisschen anders als in einem
Labor, wo Studenten an der Uni lernen. Alles ging sehr praktisch—leicht, schnell, und mit
großer Vorsicht—wenn es auch nicht immer ganz gesund war, wegen der organischen Chemikalien.
Aber die Sicherheit war natürlich sehr wichtig, und jeder befolgte die zuständigen Regeln.
Obwohl Anja ein Auto besaß, fuhren wir meistens nur mit dem Fahrrad, durch die Felder zwischen
unseren Wohnungen und dem Forschungszentrum, und überall in Jülich—zum Glück
gab es viele ruhige und wunderbare Fahrradwege. Alles, was ich im Lebensmittelgeschäft
kaufte, musste ich selbst auf dem Fahrrad nach Hause tragen, was kein Problem gewesen wäre,
aber es regnete fast jeden Tag während der sieben Wochen. Das Wetter war fast immer trocken
morgens, aber nass am Nachmittag. Wir arbeiteten von 8 Uhr morgens bis ungefähr 5 oder 6 Uhr
abends, obwohl ich oft bis 7 Uhr da blieb, sodass ich meine Familie und Freunde anrufen konnte.
Freitag war immer etwas schwer für mich, da ich meinen Freund und meine Familie so vermisste,
aber ich hatte auch viel Spaß beim Lesen und Schreiben. Zum ersten Mal hatte ich nicht genug
zu tun mitgebracht, und so schickte meine Mutter mir einige Bücher und Filme. Manchmal fuhr
ich mit einigen Leuten irgendwo hin—nach Köln, oder zu einem Lokal—aber ich war
auch zufrieden, allein mit meinen Gedanken am Computer zu bleiben. Anja schien genauso wie ich zu
sein; sie wohnte auch allein und hatte fast keinen gesellschaftlichen Umgang mit den anderen. Und so vergingen die Wochen;
manchmal schnell, manchmal langsam—bis ich endlich wieder nach Minnesota zurück flog.
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